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20. Juni 2026(ts) Kurz vor einem einwöchigen Urlaub an der niederländischen Nordseeküste hat sich Götz Rohdewald Zeit für ein ausführliches Interview genommen. Das Smartphone dürfte während der Transferperiode dennoch auf Empfang bleiben. Wie der Cheftrainer der Uni Baskets auf die Kader- und Vorbereitungsplanung blickt und die Sommerpause mit den Spielern angeht, verriet der 50-Jährige vor der Abreise mit Ehefrau Laura und ihrem gemeinsamen Hund.
UNIBASKETS.MS: Bist du inzwischen gut erholt von der letzten Saison? Was hast du in der vermeintlich freien Zeit machen können und noch vor?
Götz Rohdewald: Ich bin direkt nach der letzten Saison mit meiner Frau für zwei Wochen nach Madeira geflogen, um abzuschalten und auch mal wegzukommen aus Münster. Das war sehr gut, wir waren viel wandern, und hat sicherlich die meiste Erholung gebracht. Ansonsten war es auch mal gut, nicht in der Halle zu stehen, sondern halt auch die Arbeit an meinem Computer machen zu können, die dazugehört. Ich habe mir beispielsweise viele ProB-Spiele angesehen, um die Liga kennenzulernen. Weitere Themen waren und sind Coach-Clinics oder das Scouten von Spielern.
UNIBASKETS.MS: Worin liegen nach deinen Eindrücken die größten Unterschiede von der ProB zur ProA?
Götz Rohdewald: Sicherlich in der Athletik. Das überrascht natürlich wegen der Regularien mit deutlich weniger Amerikanern nicht. Aber auch in der ProB wird richtig guter Basketball gespielt.
UNIBASKETS.MS: Wie ist der Stand der Kaderplanung inmitten der Transferperiode? Wie weit seid ihr? Wie laufen die Gespräche mit weiteren potenziellen Neuzugängen?
Götz Rohdewald: Wir sind eigentlich relativ weit mit der Kaderplanung, aber man weiß nie, ob es auch wirklich funktioniert. Es gibt natürlich weiterhin Kandidaten, mit denen wir reden und die vielversprechend sind. Bei den deutschen Spielern kann es sein, dass noch jemand dazu kommt, aber wir haben diesbezüglich schon einen guten Kader beisammen.
„Wir sind relativ weit mit der Kaderplanung“
Götz Rohdewald, Cheftrainer der Uni Baskets
UNIBASKETS.MS: Was sind aus deiner Sicht noch die größten Baustellen in der Sommerpause? Wo siehst du den größten Handlungsbedarf?
Götz Rohdewald: Es fehlen in unserem Kader noch Verstärkungen auf den Positionen 2 und 3, 4. Naheliegend ist, diese mit einem Amerikaner und einem EU-Ausländer zu besetzen. Diese Spots haben wir von den ProB-Regularien her noch offen. Zum einen schwebt mir ein größerer, flexibel einsetzbarer Flügelspieler ähnlich wie Ty Groce oder Wessi vor, der Flügel und die Vier spielen kann. Auf der Zwei sehe ich bei uns einen Spieler ähnlicher Natur wie Bo Hodges vor, der Scoring einbringt und auch den Ball vortragen kann. Im Kern soll unser Ballvortrag aber vor allem auf den Schultern von Thore und Thorben liegen.
UNIBASKETS.MS: Seid ihr bereits wieder im Training?
Götz Rohdewald: Mein Co-Trainer Felix Engel macht regelmäßige Trainingseinheiten an der NRW-Sportschule im Rahmen unseres Nachwuchs-Leistungsprogramms. Unsere Spieler trainieren dann mit unseren Talenten zusammen, wenn sie denn nicht gerade im Urlaub sind. Daneben bereiten sie sich unter dem Coach Andrej König seit Wochen auf die Deutschen Hochschulmeisterschaften vor, die am bevorstehenden Wochenende in Berlin stattfinden.
UNIBASKETS.MS: Wie betrachtest du diese Wochen vor den Deutschen Hochschulmeisterschaften aus Trainersicht?
Götz Rohdewald: Das sind so ein wenig zwei Seiten derselben Medaille. Einerseits sind diese Wochen sehr schön für den Zusammenhalt für unsere Spieler, auch mit dem einen oder anderen jungen Spieler, der nachrücken kann und in Berlin mit dabei ist. Andererseits könnten wir während dieser Wochen auch mit den Uni Baskets Einheiten fahren. Aber die Jungs genießen diese Zeit und das anstehende Wochenende in Berlin, trainieren trotzdem gut. Und das ist – auch für die Teamchemie – gut so.
UNIBASKETS.MS: Sprechen wir über die weitere Gestaltung der Sommerpause bis zum Vorbereitungsbeginn. Was steht bis dahin an?
Götz Rohdewald: Felix Engel macht weiterhin die Trainingseinheiten bis zu den Sommerferien, in denen er drei Wochen weg ist. Dann übernehme ich das und biete Training an für unsere Spieler, die in Münster sind. Natürlich machen wir das in dieser Phase der Sommerpause nicht jeden Tag, weil die Spieler die Zeit nutzen sollen, auch etwas anderes zu machen, mental wie körperlich, oder wegzukommen. In den zwei Wochen vor dem Start unserer Vorbereitung werden die Spieler individuelle Programme umsetzen. Mit denen stellen wir sicher, dass alle zum Trainingsauftakt fit sind. Das ist sehr wichtig für die Verletzungsprophylaxe, damit wir mit einer guten Intensität anfangen können und uns diese nicht erst noch erarbeiten müssen.
UNIBASKETS.MS: Wie weit bist du mit der Planung der Vorbereitung? Steht das Testspielprogramm schon?
Götz Rohdewald: Unsere Vorbereitung steht. Wir werden am 12. August zunächst Athletiktests machen, bevor wir mit dem Mannschaftstraining einen Tag später beginnen. Am Ende einer Trainingswoche werden wir dann ab dem 22. August jeweils ein Testspiel haben. Unsere Gegner werden aus der ProB Nord Oldenburg, Wedel, Iserlohn und Herten und aus der ProA Essen sein.
UNIBASKETS.MS: Welche Spieler aus unserem Nachwuchsprogramm möchtest du in den Trainingskader hochziehen? Wie siehst du grundsätzlich die Perspektiven unserer Talente und ihre Entwicklung?
Götz Rohdewald: Center Lukas Freitag ist auf jeden Fall im festen Kader. Er ist an diesem Mittwoch gerade einmal 17 Jahre alt geworden, also noch sehr jung, aber sehr, sehr talentiert und ein interessanter Spieler. Es kommen noch einige andere spannende Jungs im Wechsel dazu. Sehr schön finde ich, dass aus unserem Nachwuchs mittlerweile so viel Potenzial vorhanden ist. Unsere Jugendarbeit macht da einen sehr guten Job. Ich bin mittlerweile richtig beeindruckt, dass wir inzwischen mehrere Jungs haben, die Talent haben. Das ist gut zu sehen und freut mich.
UNIBASKETS.MS: In der ProA ging es um den Klassenerhalt, in der ProB wird es um den Aufstieg gehen. Planst du deshalb Änderungen an unserer Spielweise?
Götz Rohdewald: Unsere Grundidee wird weiterhin sein, schnell zu spielen. Wir müssen schnell spielen und wollen das auch. Denn mit Adam Touray und Nelson Okafor haben wir wahrscheinlich die schnellsten Center in der Liga. Das müssen wir natürlich zu unseren Gunsten nutzen. Das schnelle Spiel wird ein Standbein sein. Das andere ist, dass wir uneigennützig spielen wollen, mit wenigen Turnovern natürlich, aber der Ball muss gepasst werden und sich bewegen. Abgesehen davon werden wir, wenn wir ins Detail gehen, nicht die gleichen Systeme spielen wie in der letzten Saison, sondern ein bisschen anders, aber die Grundidee bleibt immer noch die gleiche.
UNIBASKETS.MS: In aller Basketball-Munde ist die Deutsche Meisterschaft von ALBA Berlin, die am Sonntag im entscheidenden Spiel 5 ein Mega-Comeback nach der Pause bei Bayern München feierten. Was sagst du zum Spielverlauf und zum neuen Deutschen Meister?
Götz Rohdewald: Es fanden sicherlich alle völlig überraschend, dass ALBA noch einmal wie schon in Spiel 4 so einen großen Rückstand umbiegt. Diesmal waren sie zur Pause 20 hinten und haben das Spiel in der zweiten Halbzeit gedreht. Mit einer tollen Mentalität und das in München gegen eine so erfahrene Mannschaft mit dem größten Budget. Aber das ist dennoch ein Teil des Basketballs, dass so etwas möglich ist. Es passiert immer mal wieder, dass so eine Mannschaft den Hebel nicht wieder umlegen kann, wenn es schlecht läuft. Das hat ALBA gut genutzt und ist überraschend Deutscher Meister geworden. Ich finde es schön, weil die Berliner ein sehr, sehr gutes Programm haben, in dem deutsche Jugendspieler ausgebildet werden und auch den Weg in die erste Mannschaft in die BBL schaffen. Das Konzept hat ALBA früher schon mal sehr erfolgreich gefahren und zu diesem jetzt wieder zurückgefunden. Sie zeigen, man kann auch mit weniger Budget erfolgreich sein.








